Der real existierende DJ in der DDR

 

     DDR DJ Technik    

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Verstärker

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Lautsprecher

Der DJ in der DDR (Video 14 Min.)


Ein eigenes Kapitel der Geschichte des DDR DJs, ist die Technik.
Wie bekannt, gab es in der DDR Mangelwirtschaft nicht allzu viel Extras, die nicht dringend zu Leben gebraucht wurden.
Und selbst diese dringenden Dinge waren nicht immer vorhanden. Welch Wunder also das es um die Technik für DJs nicht gut bestellt war. Hauselektronik, also Radios, Plattenspieler oder Verstärker gab es in ausreichender Qualität (meine eigene Einschätzung), mit Technik größeren Ausmaßes sah es aber schlecht aus. Vermona fällt mir als einzige DDR-Firma von Tontechnik ein. Viele DDR DJs griffen deshalb auf Westtechnik zurück, vor allem die Berliner DJs wie auch meine Lieblingsdisko "Die Tute".
Doch was macht der Rest? DDR Bürger waren ja das Improvisieren gewohnt. So kam dieses Talent auch hier zum Einsatz.
Das ging eigentlich bei den Boxen los, wie ich schon erwähnte (DDR-DJ), gab es nur bis 50 Watt Lautsprecher. Die Spulen konnten in einer Görlitzer Firma (in meiner Region/Rechnung) umgewickelt werden auf 100 Watt. Eines Tages, ich hatte einen engagierten Techniker der die Anlage fuhr und mir beim Auf- und Abbau half, kam er mit einem Plan zum Boxenbau. Seit einiger Zeit bediente er das von einem Hausmeister einer Schule selbstgebaute Lichtsteuerpult. Hausmeister war oft der richtige Beruf von DJs oder Technikern. Denn da konnte man schön während der Arbeitszeit mit Arbeitsmaterialien des Arbeitgebers basteln. Es war schließlich Volkseigentum, also auch meines oder deines.

Die Tonabspielgeräte:
Beginnen wir beim Grundgerät, dem Tonbandgerät oder allgemein dem Abspielgerät. Ganz zu Beginn hatte ich noch einen einfachen Plattenspieler dabei, der jedoch aus vielerlei Gründen bald aus dem Rennen genommen wurde. Zum einen hatte ich außer den Lizenzplatten keine Möglichkeit günstig an neue Platten zu kommen, andererseits kam es durch Erschütterungen der Bühne oft zu Aussetzern. So stellte ich den Plattenspieler in die Ecke und nahm stattdessen das Spulengerät B 730 aus der CSSR.

Technische Daten B 730 von Tesla:
- 4-Spur und Stereo
- eine Geschwindigkeit: 9,53 cm/s
- ein zentraler Motor, zwei Köpfe
- Frequenzgang: 50 - 15000 Hz
- Aufnahmepegelkontrolle
- eingebauter Verstärker für 3,5W / 4Ohm
- Lautstärke, Bass- und Höhen-Regler
- eingebauter Abhör-Lautsprecher,
- Drehspulinstrument zur Aussteuerungskontrolle
- Mono- und Stereobetrieb umschaltbar
- Diodenanschlüsse
- Stoptaste
- Zählwerk
- Horizontaler Betrieb möglich

Diese Geräte galten als sehr zuverlässig, die Tonqualität war recht gut nur beim Handling gab es Probleme. Die Bänder waren sehr empfindlich und lagen offen während der Mugge herum. Das Suchen eines Titels dauerte extrem lange so das ich oft aus Zeitnot durchlaufen lassen, oder eben auf andere Titel als den gewünschten ausweichen musste.

Nebenher benutzte ich das KT 100 (links), welches ich zugegebenerweise als Notnagel einsetzte. Der Frequenzgang war einfach zu schlecht um das Gerät ständig zu benutzen. Das Gerät aus dem Jahre 1971/72 kostete damals schlappe 635,- Mark.

 

Beschreibung KT 100 hier

Jede darin eingesetzte Kassette schlug nochmals mit 20,- bis 30,- Mark zu Buche. Zudem waren die Kassetten selbst bei dem Preis mitunter Mangelware (ich erinnere an Rock over RIAS). Später verbesserte sich die Qualität der Kassetten zwar, die Stunden waren aber schon gezählt, denn die CD war im Anmarsch.

Einen Quantensprung, nicht in der Qualität aber in der Bedienung lieferten die ersten Kassettendecks. Ich hatte zwei Geracord GC 6031 (eine Weiterentwicklung des GC 6030), mit denen man ganz vernünftig arbeiten konnte. Zur Ausstattung zählten ein Rauschminderungs-system, Zählwerk, LED Anzeige, Handaussteuerung, Bandsortenwahlschalter, regelbarer Monitorausgang, Bandendabschaltung aber leider nur ein Frequenzgang von 35-12000 Hz. Die Geracord hatte ich lange Zeit im Einsatz, genau genommen bis zur Wende als es dann CD Laufwerke gab, die die Kassette nach und nach ablösten.


Die Lichttechnik:
Ein besonderes Problem war die Lichttechnik. Hier war nicht nur handwerkliches Geschick von Nöten, auch ein gewisses Fachwissen  sollte vorhanden sein. Immerhin ging es hier um Strom! Meine Lichtanlage bestand im Eigenbau aus dem Fuß, den ich im Betrieb schweißen ließ, einer Teleskopstange (zum ausziehen), der oberen Halterung mit den eigentlichen Lampen. Diese bestanden aus Ofenrohren, die ich in entsprechender Länge kürzte. Alle handwerklichen Arbeiten wurden auf Arbeit erledigt. Links, das einzige Bild meiner Diskoära (Trend Diskothek)beim Aufbau in einem Club/FZ. Hinten das Plakat und rechts im Bild ein Teil meiner Lichtanlage. Die Gläser wurden mit Tauchlack gefärbt, es waren Kfz-Gläser. Innen jeweils 100 Watt Strahler.

Doch ich will nicht nur von mir berichten, Olaf (auch kurze Zeit Hausmeister) und noch heute als DJ unterwegs schrieb mir dazu: "Den Rotationseffekt (Bild oben), diesen Teil der Lichtanlage haben wir mal in Serie gebaut und der Clou, er funktioniert immer noch". Die Glasscheiben wurden von einem Glaser in drei Teile geschnitten um ein platzen bei Erhitzung zu vermeiden (70 Watt H3 Birnen). Der oberer Teil des Rotationslichtmastes, der Schleifring, wurde aus einem Messing-Rundmaterial gedreht. Im Bild oben rechts neben dem blauen Scheinwerfer im Hintergrund ein Pertinaxstück, welches immer sehr schwer zu bekommen war. Der Motor ist ein Trabbi Scheibenwischermotor. Der war robust und stark und wurde damals bei vielen Bastelarbeiten eingesetzt. Bild links ist die Anlage von oben. Der Stromabnehmer war übrigens von einer Straßenbahn und konnte leicht organisiert werden.

 

Peter schrieb folgendes: "...habe aber damals als ich in die 7. Klasse ging eine Lichtorgel selbst gebaut für die Schuldisco.
Das waren 2 längliche Holzkästen mit a12 selbst gefärbten 60 Watt Glühbirnen. Und in der Front jeweils eine hellblau gefärbte Glasscheibe.
Leider konnte man damals nicht das Licht nach dem Takt der Musik blinken lassen, also habe ich einfach einen Starter von den Neonröhren zwischen gebaut damit die einzelnen Glühbirnen verschieden blinkten."


Das Mischpult:

Ich habe in meiner Zeit als DJ kein Mischpult gesehen, welches selbst gebaut wurde. Ich will nicht ausschließen das es sowas nicht gab, es wird aber auf Grund des komplizierten technischen Aufbaues nicht all zu oft passiert sein. So musste man zurückgreifen auf folgende zwei im Handel erhältliche Geräte. Die einfache Version war das Disco 2000, ein mit Batterien betriebenes Mischpult eher für den Heimeinsatz in Mono. Später wechselten die Namen zu Regie und die Nummern wurden größer, z.B. Regie 3000. Diese gab es dann auch in Stereo. Gelegentlich sah ich diese auf Veranstaltungen, das war aber eher die Ausnahme (Bild rechts und unten). Doppelter Einsatz des Disco 2000 bei Space Disco Dessau. Hier sogar auf Stereo umgerüstet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seht euch das Kassettenradio an (linkes Bild), welches vor den zwei Disco 2000 Mixern steht und man bekommt einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen des DJs in der DDR. Links daneben das Spulentonbandgerät B 730 von Tesla, ein auch von mir heute noch verwendetes Gerät aus Tschechischer Produktion. Es soll 1984 im Genexkatalog 750,- DM gekostet haben.

Die professionellere Variante vom Disco 2000 war das HiFi Studio 506 (unten). Mit der Ausstattung von 5 getrennt regelbaren Stereo-Mischeingängen, 2 Ausgänge, 2 VU-Meter zur Aussteuerungskontrolle, Abhörverstärker für 2 Kopfhörer mit Einblendtasten

zum Vorabhören der Signalquellen, bei Mikrofonbetrieb pro Kanal getrennte Lautstärke- Höhen- und Tiefenreglung, Rumpelfilter und Balanceregler eine schon eher anspruchsvolle Ausstattung. Alle Ein- Ausgänge als Diodensteckverbindung gestaltet. Die Abbildung links zeigt mein jahrelang genutztes und dementsprechend aussehendes Mischpult, welches übrigens einmal 1200 Mark gekostet hat. Ein Makel des Gerätes, die Regler brachen leicht ab und die einzelnen Kanäle ließen sich nicht im Klang verändern. So ließ ich mir für drei Kanäle Klangregler für Höhen und Tiefen einbauen.

Der Vollständigkeit halber soll hier noch ein Profimixer von Vermona genannt werden. Der 1222 ist ein 12 Kanal Mixer, Bilder hier. Vermona war im allgemeinen in der DDR eine gute Anlaufstelle für den Musiker und Diskotheker. Eine Liste von Mixern und Verstärker aber auch Boxen findet man unter  http://www.vermona.de/ links auf Nostalgie und dann auf das Regent Zeichen klicken.


Die DDR Disco:

Das Bild links unten zeigt den Aufbau einer Schuldiskothek. Tonbandgeräte von Tesla aus der CSSR, die Boxen auf Stühle gestellt, Tische mit Wachstuchtischdecken. Dazu wenn ich es richtig sehe,

 

das Mikrofon DM 2112, bekannt als "Schwarzer Deibel". Auch ich hatte Anfangs solch ein Gerät. Das gab es in verschiedenen Ausführungen, das 2410 (oben rechts) hatte schon einen Schalter und eine Schraubverbindung. Auch polnische Lizenzmikrofone gab es in der DDR.  Hier abgebildet das MDO 21 von Tonsil aus Polen. Dazu gibt es sogar noch ein Datenblatt. Diese Mikros waren klein und leicht: Man musste sie in der Hand ganz ruhig halten, denn jede Fingerbewegung am Gehäuse wurde als Geräusch mit übertragen. Ein Fingerring löste ein wahres Krachen und Klappern in den Lautsprechern aus. Der kleine Tischständer war auch wesentlich zu leicht, so dass das Mikrofon bei einer unvorsichtigen Bewegung des Kabels schnell umkippen konnte. Am besten spannte man das Ding fest in ein Mikrofonstativ ein und ließ die Finger davon. Auf dem Foto ist rechts ein Stecker zu sehen. Original war da ein festes Kabel dran. Ich hatte dieses aus Gründen der Handhabung durch eine Buchse ersetzt und das hohle Gehäuse mit einem dichten Dämmmaterial ausgefüllt. Das machte es gegen Körperschall etwas unempfindlicher. Preis 1980: 35 Mark, 1986: 20 Mark.

Man sieht, Anfangs konnte man nicht viel Komfort erwarten, später gab es auch Nobeldiskotheken, oft mit festem DJ, heute heißt das wohl "Resident DJ". Die ersten Lokation in der DDR waren meist in abgewrackten  Dorfgaststätten (so mancher Wirt hat seine schlecht laufende Kneipe durch Jugendtanz/Disco saniert), Betriebsspeisesälen oder Vereinstreffpunkten zu finden. Später wurden überall wo es lohnte Jugendclubs aus dem Boden

gestampft. Oft waren dies Neubauten in Form kleiner Würfel, mitunter aber auch Umbauten.

Das Bild rechts zeigt die "Revival Disco" aus Karl-Marx-Stadt beim Einsatz. Mehr über Diskotheken in der DDR hier.


Die Verstärker

Anfangs hatte ich Probleme mich an Verstärker zu erinnern bis ich den Hinweis und die Bilder der Vermona Endstufen bekam. Klar, wir hatten schließlich selbst solche Endstufen. Ich glaube es waren zwei Regent 1000S, für jede Seite einen Verstärker. Die Dinger waren recht unempfindlich, hatten eine Kurzschlusssicherung und kosteten über 1000,-Mark/Stück. Ein kleineres Modell, den Regent 300H seht ihr auf dem Bild. Dieser Verstärker hatte eine Nachhalleinrichtung und lediglich 25 Watt Leistung. Die nächsten zwei Bilder zeigen eine Halleinrichtung wie sie in den Vermona Verstärkern zum Einsatz kamen. Dazu schreibt Peter die folgende Geschichte:

Dieses Teil hatte ich mir aus Klingenthal schicken lassen. Das Prinzip ist, dass ein Wandler (Spule mit Kern) die elektrischen Signale in mechanische Schwingungen umwandelt und an zwei Federnpaare übergibt. Die Schwingungen werden dann laufzeitverzögert an einen zweiten Wandler ähnlicher Bauart übergeben und wieder zu elektrischen Signalen umgewandelt. Da die Federn eine unterschiedliche Windungszahl und einen gegenläufigen Wicklungssinn haben, kommt der Halleffekt zustande. Dieses Tonsignal würde jedoch recht unverständlich klingen. Daher wird es mit dem unverhallten Originalsignal in einem vernünftigen Maß gemischt. Die Elektronik um diese Hallstrecke hatte ich nach Originalbauplan selbst zusammengelötet.

In einem Forum las ich folgenden Satz der mich zum schmunzeln anregte:"Die richtig guten / teuren / besseren Geräte hatten immer die anderen" Das traf oft den Kern der Sache.

Auf dem etwas unscharfen Foto links ist eine DDR-Amateurstudioanlage aus dem Jahre 1985

zu sehen.

 

1 - 10-Kanal-Equalizer (Selbstbau)
2 - Kontrollgerät mit LED-Zeilen (Selbstbau)
3 - Mischpult "Regie 2000"
4 - Equalizer VERMONA

5 - Mischpult "Disco 2000"
6 - Geracord GC 6131
7 - Federhallgerät (Selbstbau) Bild1 und Bild 2
8 - Kopfhörerverstärker

9 - Geracord GC 6020
10 - Sonett 77 ("Jinglemaschine")
11 - Mikrofone (Stativ Selbstbau)
12 - Verstärker HSV 926



Die Lautsprecher

Das Ende der langen Kette, vom Tongerät über die Lichtanlage durch das Mischpult über die Verstärker, sind die Boxen. Ein sehr wichtiges Element! Was die Boxen nicht zu leisten vermögen, bleibt beim Sound halt auf der Strecke. Auch hier gibt es wieder sehr wenige Bilder. Ich hatte damals Selbstbauboxen, wir bauten die Dinger mal im Garten meines Kumpels. Die Lautsprecher, das schrieb ich schon eingangs, das waren 50 Watter aus dem Großhandel, ließen wir in Görlitz auf 100 Watt umwickeln (Spule/Rechnung). Leider habe ich weder die Boxen noch Bilder davon heute. Aber ein Besucher hat mir links diese Bilder einer Selbsbaubox geschickt.

Schon hier kann man sehen, wie kreativ ein DDR DJ war. Auf dieser Seite sind zwar viele Boxen abgebildet, diese kommen jedoch nur für den Heimeinsatz in Frage. Größere Discoräume kann man damit nicht beschallen.

Rechts sieht man den

L 340 mit 15 VA angegeben.

Wenn es kein Selbstbau sein sollte, war wohl Vermona in der DDR die erste Adresse. Linkes Bild zeigt eine Box aus dem Vermona Programm in der wahrscheinlich obiger Lautsprecher verbaut wurde. Die Box kostete 660,-Mark und brachte lediglich 30 Watt. Die 100 Watt Box schlug dann schon mit über 2000,- Mark zu Buche.

DJs mit Beziehungen und/oder Geld hatten E-Voice Boxen. Das war natürlich was, ich sehe heute noch das glänzende Logo "EV" auf den Boxen. Das war dieser Wauuuu Effekt unter uns kleinen Leuten. Und natürlich eine Leistungsgrenze jenseits des DDR Systems.


Aus Mangel an Material endet hier vorerst unser kleiner Ausflug in die DDR DJ Geschichte. Sollten noch Hinweise, Geschichten oder Bilder von Euch eintreffen, greife ich das Thema gern wieder auf.

Abschließend noch zwei Bilder der Technik in einem frühen Rias Studio. Zu sehen ist der DJ Platz, wie Barry Graves mal so schön sagte: "Radiomachen ist ganz einfach, links ein Plattenspieler, rechts ein Plattenspieler, in der Mitte der  Moderator!".  Das erste Bild zeigt Barry Graves an der Diskothek von links, das untere Olaf Leitner von rechts fotografiert. Mir scheint es ist der gleiche DJ Platz, nur aus unterschiedlichem Blickwinkel.

   Wird evtl. fortgesetzt...

Fotos: privat, Revival Disco, Spacedisco Dessau , Peter Lunkeit, vielen Dank dem Radiomuseum (Schweiz) und Peter.