RIAS Treffpunkt (Info)
RIAS Treffpunkt Erinnerungen
Stellen wir uns doch mal einen gewöhnlichen Sonnabend in den früher 70er-Jahren vor! Vormittags wurde das Kinderzimmer sauber gemacht, in der Regel ohne Beteiligung des betreffenden Kindes, das sich bestenfalls mit dem Mülleimer nützlich machte. Die Wohnung roch frisch. Um 16 Uhr begann im Radio der RIAS-Treffpunkt mit Christian Graf oder Barry Graves und ihrer "Hörerpostbestätigungen" für die Briefeschreiber aus dem Osten. Sonnabends wurde für die Ostler ausschließlich Wunschmusik gespielt. Und wenn es einem gelang, "Child in Time" von Deep Purple in voller Länge aufzunehmen (Das Wort "mitschneiden" entstand später), versprach es ein guter Sonnabend zu werden. Quelle: Auszüge aus Berliner Zeitung vom 21.10.2000 "Am Tag, als Conny Kramer starb" (Frank Junghänel) RIAS Treffpunkt
II
(Info) geschrieben in der Arcor Newsgroup de.alt.hoerfunk Sommer 2000
Nach der großen Programmreform von Rias 2, die am 30.9.1985 (ein Montag) stattfand, bestand das Rias 2- Programm aus "durchhoerbaren" Sendestrecken, i.w. so genannten Magazinsendungen. Der ehemalige "Jugendwellen-Teil" von 14.35
(speziellere Sendungen wie 'Zeitklang'
mit Burghard Rausch oder 'Musik nach der Schule', 'Beat für Teens' u.a.) bis 15.30, und danach bis 18.00 der Rias 2 Treffpunkt, wurde wie folgt neu
integriert.
Ab Herbst 85 gab es von 14.00 bis 16.00 das erwähnte 'Popcorn' , zunächst noch mit wechselnden Moderatoren, die der Sendung eine gewisse Spezifik gaben....
Mo: Olaf Leitner
Di: Uwe Schneider
Mi: Burghard Rausch (mit den 'Klängen zur Zeit', wie er selbst das 'Popcorn'-Jingle ergänzte)
Do: Annette Riedel
Fr: Lord Knud
Sa: Dennis King (Eurocharts)
So: Gregor Rottschalk (Berlin-Charts)
... und von 16-19.00 den "Rias 2- Treffpunkt". Der 'Treffpunkt" war zu dieser Zeit, was die Moderation anbelangt, noch ein Misch-Masch aus festen Moderatoren und freien Plätzen. Auf jeden Fall gab es hier noch nicht die heute normale Wochenmoderation, diese wurde erst im Oktober 1986 eingeführt. Dieser Termin kann als eigentliche Raeson des Rias 2 Programms aufgefasst werden, da hier bis auf den Sonntag sämtliche(!) o.g. "Popcorn"- Spezifika bzw. Moderatoren verschwanden (zumeist sogar den Rias verließen...) und, wie ab dann auch im Treffpunkt, sich 3 oder 4
Moderatoren die Wochenmoderation teilten (mit der in jeder Sendung gleichen Ansage 'Am Mikrofon....'- danach sofort Musik).
Ab 1987 hießen die Moderatoren von "Popcorn" Desiree Persch (heute Antenne Brandenburg), Andreas Dorfmann (heute Berliner Rundfunk), Henri Groß und Dirk Chatelin bzw. später Ben Posener. 'Popcorn' (bzw. die Treffpunkt- Stunde von 18-19.00) gingen im selben Jahr in die 'Wunschhits' über, womit die Sa/So- 'Treffpunkt(e)' von dieser Aufgabe entbunden waren. Wobei mit der Einführung der 'Wunschhits' die Sendung 'Popcorn' auf eine Stunde gekürzt (14-15) und kurz darauf auch zu 'Wunschhits' wurde und der 'Treffpunkt" dafür von 15-18.00 gesendet wurde.
Im Jahr 1987 gab es auf Rias 2 keinerlei spezielle Musikfarbe mehr, rund um die Uhr wurde Mensch mit den aktuellen Charts versorgt. Wenn auch Rias 2 in Berlin (wobei hier zu der Zeit SFB 2 die Nr.1 war) und
insbesondere in der DDR _der_ Sender war und noch heute 'leuchtende Augen' verursacht, sehe ich gerade in der Entwicklung, die hier abgelaufen ist, den Beginn von dem Dudelfunk, den ja heute 'alle' und 'ueberall' kritisieren. Aber das nur am Rande.... während die 85er Programmaenderung groß angekündigt und 'beworben' wurde, erfolgte der 'Rausschmiss' (kann man m.E. so nennen) der Leitner, Rausch und Co. ohne jegliche Kommentierung und Ankuendigung. Ich glaube sogar, dass nicht mal die Moderatoren ihre letzte Sendung
als solche zu erkennen gaben; ich erinnere mich nur, dass Rausch in den September 86- Sendungen für seine Verhältnisse viel Schrott (OMD, Eurythmics u.a.) spielte und mit lapidaren und ironischen Bemerkungen verzierte. (andere Meinung): "Kann mich noch sehr lebhaft an die letzte Popcorn-Sendung alter Prägung am Montag erinnern.
Sie war nicht von Olaf Leitner moderiert, sondern von Christian Graf, den ich vor allem durch seine Discothek Sendung am Sonntagabend lieb gewonnen hatte. In dieser Popcorn Sendung sparte Herr Graf nicht mit Gefühlsduselei. Er erwähnte
mehrmals, dass dies seine letzte Sendung bei rs2 sei und er das sehr bedauere und mit den Entscheidungen der Chefetage nicht einverstanden sei. Die Feststellung, dass die Programmreform vom Herbst 96 die Einläutung des Dudelfunks in Berlin war, ist meiner Meinung nach voll zutreffend."
Quelle: de.alt.hoerfunk Thomas Kumm <k...@ihs.ee.tu-berlin.de>
Entstehung und Betrieb des RIAS
21.11.1945 - Anordnung des amerikanischen Hauptquartiers zur Eröffnung eines Drahtfunks (Telefonnetz) im amerikanischen Sektor (DIAS)
- eine Bedingung: Beschäftigung von ausschließlich deutschen Mitarbeitern unter Aufsicht der Amerikaner
- Aufbau als GmbH und Finanzierung durch Berlin
- wenig später erste improvisierte stundenweise Aussendungen
07.02.1946 - Start der ersten Sendung des DIAS zunächst nur im amerikanischen Sektor zwischen 17.00 und 24.00 Uhr
- Eröffnung durch Intendant Dr. Franz-Wallner-Basté
- Programm mit Platten aus Privat- und Militärarchiv
- Programminhalt speziell für die Hörer im amerikanischen Sektor
- legendäre Sendereihe "Stimme der Kritik" mit Friedrich Luft, 40 Jahre lang Kritisches zur Stadtlage
- bekanntester Spruch "gleiche Welle, gleiche Stelle"
- maximal 1500 Hörer über intakte Leitungen erreichbar
- Drahtfunkzentrum im Fernmeldeamt W35/Winterfelder Str.
- Räume ohne Heizung
- Sender: 160 und 249 kHz mit Übertragungsverstärker aus alten Reichsbeständen
- Equipment besteht aus alter Tonbandmaschine und Kondensatormikrofon
17.02.1946 - erstes Hörspiel "Our town"
06.1946 - Anschluß des britischen Sektors (immer noch über "Kabel")
05.09.1946 - erste Ausstrahlung über Mittelwelle, nun "RIAS"
- Sender: zusammengebaut von Hans Hartkopf und Hans Schultze
- fahrbarer Sender der US-Armee/0,8 kW/245 kHz (Langwelle)
- aufgestellt auf dem Gelände einer Baumschule am Britzer Damm
07.03.1947 - Erhöhung der Sendeleistung auf 2,5 kW
01.06.1947 - Erhöhung auf 20 kW mit altem Wehrmachtssender von 1935 mit 60 m hohem Sendemast
- Empfang auch in den Randbezirken/SBZ in der Zeit von 8.00 bis 24.00 Uhr möglich
bis 47/48 - keine Sendungen für Hörer in SBZ, aber "Richtigstellung" der Behauptungen aus dem Osten - Finanzierungsmodell scheitert, weil Berlin die Schulden nicht bezahlt
- GmbH wird aufgelöst -> Finanzierung durch Amerikaner
12.02.1948 - General Clay startet Operation "Back Talk", aufgrund massiver Propaganda aus der Ostzone
- RIAS erhält dadurch Erlaubnis zur Kritik an den Vorgängen in der Ostzone -> Nutzung zur eigenen Propaganda beabsichtigt und "offiziell" genehmigt
30.06.1948 - Umzug des Sendezentrums in die Kufsteiner Str.
- nun 22stündige Ausstrahlung, wenig später sogar 24 Stunden
06.07.1948 - Beginn des Sendebetriebes von dort
1948 - Gründung RIAS-Sinfonie-Orchester
- Aufstellung eines 70 kW-Kurzwellensenders zur Versorgung der SBZ
November 1948 - 20 kW-Mittelwellensender in Hof für SBZ wird eingerichtet
- in Britz neue 100 m hohe Masten
ab Juni 1948 - 2stündige Sendezeit wegen Stromsperre (Berlin- - Konzerte finden im Freien statt Blockade)
- auf großen Straßen und Plätzen wird Programm mit Lautsprecherwagen übertragen
- RIAS spielt wichtige Rolle bei der Informationsvermittlung und "Beruhigung" der Westsektoren
1949 - Gründung der Sendereihe "Funkuniversität" mit wissenschaftlichen Vorlesungen und Informationen für Studenten
April 1949 - Aufführung des ersten öffentlichen Konzerts des RIAS-Tanzorchester
- Gründung des RIAS-Schulfunkorchesters
06.05.1949 - erste spezielle Sendung für SBZ "Sendung für die Landbevölkerung" unmittelbar nach der Blockade
20.07.1949 - neuer 100 kW-Sender in Britz
- Einrichtung eines 3 kW-, später 10 kW-UKW-Senders
1. November 1949 Sender Hof wird eröffnet.
In den späten 60er Jahren erste Geldsorgen -
Ergebnis der Verhandlungen: RIAS bleibt erhalten Bund zahlt größten Posten.
30. September 1985 - auf der Welle des Zweiten Programms, das
schon 1953 für Wiederholungen etc.
-eingeführt worden war, das junge Programm von
RIAS 2.
22.August 1988 RIAS TV startet, im Mai 1992 übernimmt Deutsche Welle RIAS TV.
1.Juni 1992 RIAS 2 wird eingestellt bzw. sendet als der Privatsender rs2 weiter.
31.Dezember 1993 Ende des RIAS, Nachfolger DeutschlandRadio. Eine Ära geht zu
Ende.
Wie
war
es
möglich,
den
RIAS
problemlos
über
das
Gebiet
der
DDR
zu
leiten?:"Die
DDR
war
Mitglied
der
Internationalen
Fernmeldeunion.
Das
Vertragswerk
derselben
regelt
den
internationalen
Draht-
und
Funkverkehr.
Von
daher
ist
es
nichts
besonderes,
wenn
Modulationszubringer
von
einer
Grenze
zur
anderen
gingen.
Das
Transitland
hat
sich
nicht
um
die
Inhalte
der
Übertragungen
zu
kümmern.
Mag
sein,
daß
da
jemand
mit
den
Zähnen
knirschte,
aber
wer
in
der
Welt
keine
Sonderrolle
spielen
will,
und
die
DDR-Regierung
war
ständig
bemüht
international
als
gleichberechtigter
Staat
anerkannt
zu
werden,
der
muß
es
auch
dulden
wenn
Unerwünschtes
durch
die
Leitungen
geht.
Die
Allierten
haben
dabei
bestenfalls
in
der
Nachkriegszeit
eine
Rolle
gespielt.
Für
den
hypothetischen
Fall,
daß
die
Deutsche
Post
ihre
Leitung
dem
RIAS
nicht
zur
Verfügung
gestellt
hätte
sei
der
Hinweis
angebracht,
daß
in
Westberlin
gigantische
Richtfunkanlagen
standen.
Die
Programmzuspielung
erfolgte
von
Berlin
über
ein
sogenanntes
Beutekabel
durch
die
DDR.
Hierbei
kam
es
im
Spätherbst
1978
zu
einer
peinlichen
Panne,
als
das
RIAS-Programm
versehentlich
auf
Rundfunksender
in
der
DDR
gelegt
wurde
und
über
diese
ausgestrahlt
wurde."
Die gezielte technische Expansion läßt erkennen, daß der RIAS kurz nach seiner Gründung das Sprachrohr der Amerikaner in Richtung Osten sein sollte.
Der RIAS spielte bis zu seiner vollständigen Abwicklung eine maßgebende Rolle in der Informationsvermittlung für die gesamte Stadt und war deshalb gerade der Ostberliner Führung ein "Dorn im Auge", weshalb immer wieder versucht wurde, ihn zu stören. Natürlich wurde auch von ihm Propaganda für die SBZ getrieben.
Quelle: Dieser Artikel besitzt ein
Copyright © by: Torsten Trenkler, Andreas Zabel, Patrick Piecha
Quelle: de.alt.hoerfunk
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