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Lou Reed in der Eissporthalle (Info) Schöne, böse Nachtkatzenmusik
Seit den Tagen der Velvet Underground hat Lou Reed mit Intensität eines Trüffelschweins nach dem atemverschlagend Lasziven, schick Verderbten, grandios Ruchlosen gewühlt. Ein Blättern in seinen Songbüchern bedeutet für uns Teilhabe an einer verbotenen Welt, die wir nur im Untergrund unserer heimlichen Träume und uneingestandenen Ängste wahrnehmen möchten. Und er war sich nie zu schade für eine chaotische Bühnenshow. Denn ein Künstler, der ohnehin in seinen Liedern die letzten Tabus lädiert, braucht sich vor seinem Publikum nicht zu verstecken, wenn ihm nach Exitus zumute ist oder er vor Euphorie die Knaben in den ersten drei Reihen anfallen möchte. Am Freitagabend in Berlin zerrte Reed sein Repertoire, das obskure Stücke zuungunsten der gängigen Hits favorisierte, im hypnotisierenden Zeitlupenspiel breit, verschleppte scheinbar endlos Liedanfänge und ließ seine Gitarre mindestens genauso gnadenlos destruktiv heulen wie in den ungenierten Tagen der Velvet Underground. Das war die Nachtkatzenmusik der Raubtier-City New York, angenehm böse, ein schöner Alptraum; das war nicht Kinderschreck à la Kiss oder Alice Cooper. Diese Musik setzte auch in den kaum hörbaren Passagen zum Sprung an und war in den Crescendi bereit, alles über Bord gehen zu lassen. Kein Wunder, daß Reed und seinen Leuten aus dem Saal Hemmungslosigkeit entgegenschlug und er mit dem Abbruch des Konzertes drohte. Die Gefahr einer Pandorabüchse der schrillen Off-Klänge sicher im Griff. Aber das sollte niemand mit "schlaff" verwechseln.
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