Rock over RIAS (Info) Rock over RIAS war eine Spezialsendung im RIAS- Berlin (1975- ca.1985) Foto von links: Bachauer, Graves, Leitner
Pressestimmen zu Rock over RIAS:
Dennis King
(damals Radio Carolin) lobte: "Die beste Sendung, die ich in Deutschland je gehört habe."
Berliner Morgenpost schrieb:
"Wenn Halbwüchsige die Nacht mit Kopfhörern verbringen und erst gegen Mittag am Frühstückstisch erscheinen ...und so der Haussegen schiefhängt, dann ist Rock over RIAS-Time."
Der Spiegel schrieb:
"Diese Mischung aus Pop-Tops, Intimität und aktueller Rückkopplung mit dem Zuhörer hat das Radio in jener Woche zu einem heißen Medium gemacht."
Frage: Warum musst du dich nun auch noch selbst interviewen?
Weil ich der einzige Überlebende aus dem Gründerteam von Rock Over RIAS bin. Walter Bachauer ist 1989 gestorben, Barry Graves 1994. Walter, im RIAS für Avantgarde und alles Schräge zuständig, hat damals, 1975, die Idee eines mehrtägigen Rockmarathons durch die hauseigenen Gremien gejagt und zu dessen Verwirklichung beigetragen. Was war nun das Besondere an Rock Over RIAS? Es war die Rache für die Niederlage in der Schweinebucht! Spass beiseite: Zuerst das Formale: Wir hatten zwischen Weihnachten und Neujahr und in den Sommerferien fünf bis sechs Nächte mit fünf bis sechs Stunden Sendezeit, um ein differenziertes Rockmusikprogramm abzustrahlen. Es war gespickt mit Informationen, Hintergrundberichten, Live-Interviews mit Studiogästen. Wir hatten sogar Ü-Wagen zur Verfügung, mit denen unsere Reporter nachts in der City unterwegs waren. Auch in der rauen Zeit bei den Hausbesetzern, Mitten in einem Live-Interview haben sie, oder ihre Kumpel, uns das Kabel durchgeschnitten. Das war die typische linke Medien-Blödheit, es ging ja schließlich darum, ihre Ansichten weiterzugeben. Anarchie hat eben eigene Gesetze.
...es bestand zudem die Möglichkeit für die Hörerschaft, mit uns zu telefonieren. Das wurde weidlich genutzt zu Anregungen, Kritik und Ermunterung. Unser Musikangebot war thematisch geordnet, es gab zumeist einen Oberbegriff mit möglichst vielen Unterabteilungen und sorgfältig ausgesuchte Musikstücke. Ja, dieser neudeutsche Begriff trifft es. Wir wussten, dass ein Großteil unserer Hörerschaft Tonbandgeräte und Kassettenrecorder plus zahllose Bänder und Kassetten bereitzuliegen hatte, um möglichst viel von der Sendung mitzufräsen. Es gab Leute, die wegen schlechter Empfangsbedingungen ihren angefeuchteten Zeigefinger an die Antennenbuchse drückten, um selber als Antenne zu fungieren und den Empfang zu verbessern. Respekt! In Neukölln oder Schmargendorf schon, nicht aber unbedingt in Prignitz, in Marzahn oder in Cottbus. Unser Adressat war das junge DDR-Volk. Das hatte wenig Auswärtiges im Plattenschrank und jeweils am Morgen danach ziemlich gerötete Augen und war nicht gerade topfit. So schrieben die Zeitungen. Die leeren Regale wurden qusi zur Metapher für das Ganze. Das Aufnahmematerial war übrigens nicht billig, der Nachwuchs musste kräftig in die Tasche greifen. Es war der Programmauftrag des Senders, unseren Brüdern und Schwestern hinter, oder, wenn man so will, vor der Mauer die ewigen Wahrheiten zu verkünden und westliche Lebensart einzubimsen. Dazu gehörte einerseits die aktuelle Analyse angesichts irgendwelcher neuen Streiche des Politbüros, dazu gehörte es, über neue Spitzenleistungen des DDR-Sports zu berichten, egal ob mit oder ohne dope, dazu gehörte es aber auch, den Brothers & Sisters die Musik ins Haus zu bringen, die man in den Gefilden des weltweiten Kapitalismus zu hören bekam, und die den DDR-Kids durchaus gut mundete.
Mehr Infos:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41443561.html
www.rias-berlin.com |